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Erleben wir derzeit das Karriereende von Novak Djokovic?


3:6, 6:7, 6:1, 7:6 stand es am Ende aus Sicht von Djokovic im Viertelfinale der French Open. Ausgeschieden war Nole aber nicht gegen Federer oder del Potro, sondern gegen die Nr. 72 der ATP-Weltrangliste Marco Cecchinato. Streng genommen hätte der 25-Jährige aus Italien eigentlich bis Januar eine Sperre wegen Spiel-Manipulation verbüßen müssen. Und wäre dann in Paris wohl kaum so weit gekommen. Aber es kam anders. Und das könnte sogar das Ende von Djokovic` eindrucksvoller Karriere bedeuten? 


In seinem letzten Match der diesjährigen French Open vergab Djokovic eine 4:1-Führung mit zwei Breaks sowie zwei Satzbällen gegen den krassen Außenseiter. "Ich weiß nicht, wie es in der nächsten Zeit weitergeht", sagte die frühere Nummer eins anschließend. Für das Rasenturnier in Queens hat der Djoker zwar eine Wildcard bekommen, in Wimbledon wird er 2018 also wohl auch noch spielen - aber dann?


Rekordverdächtig: Die wohl schnellste Pressekonferenz aller Zeiten 

Nach seiner Niederlage hatte es Djokovic verdammt eilig. Normalerweise dauert es etwa eine Stunde, bis die Spieler nach dem Match zur obligatorischen Pressekonferenz erscheinen. Der Serbe kam direkt vom Court Suzanne Lenglen in Raum 2 des Pressezentrums von Roland Garros. Und diesen Raum 2 hatte er sich bewusst ausgesucht: Hier passen lediglich 30 Journalisten rein. Geplant war sein Gespräch in einem viel größeren Nebenraum, aber Djokovic wollte für diesen traurigen Anlass wohl nur wenig Zuhörer und Fragesteller haben …


Verzichtet Djokovic auf die Rasensaison? Kommt Djokovic überhaupt zurück? 

Entsprechend resigniert klang der 31-Jährige: "Das ist hart zu schlucken." Wird Djokovic die Saison auf Rasen und somit auch in Wimbledon nochmals angreifen? "Ich weiß es nicht", wiederholte er mehrmals, "ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es jetzt weitergeht."  Vieles deutet darauf hin, dass der Serbe - wenn überhaupt - erst wieder in die Hartplatz-Saison eingreift. 


Novak Djokovic KarriereEin Bild, das wir 2018 vielleicht nicht sehen werden: Novak Djokovic serviert in Wimbledon



Die zwei turbulenten Jahre des Novak Djokovic

Die überraschende - und auch unnötige? - Niederlage gegen einen allerdings auch stark aufspielenden Cecchinato kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Auf seiner Comeback-Mission hatte Djokovic in den ersten Runden von Roland Garros durchaus zu überzeugen gewusst. 


Von Marian Vajda über Boris Becker und Andre Agassi zurück zu Marian Vajda

Und das war nicht unbedingt zu erwarten nach zwei harten und schweren Jahren: Probleme mit der Motivation, private Sorgen, aber auch privates Glück - Djokovic wurde zum zweiten Mal Vater. Dazu immer wieder Veränderungen in seinem Team: Boris Becker und Marian Vajda, sein Physio uns sein Fitnesscoach hörten in dieser Zeit auf. Dann kamen Andre Agassi und Radek Stepanek, aber auch sie sind wieder aus dem Djokovic-Team verschwunden. Dann wurde Vajda doch wieder sein Coach, und das Spiel von Djokovic schien tatsächlich wieder aggressiver und erfolgreicher zu werden. 



Novak Djokovic KarriereNovak Djokovic - hier bei einem früheren Auftritt in Rom - streckte sich in den letzten Monaten oftmals vergeblich nach den Bällen



Marco Cecchinato und Novak Djokovic: Das ungleiche Wiedersehen mit dem ehemaligen Trainingspartner

Djokovic mag sich schon auf dem sicheren Weg ins Halbfinale von Roland Garros gewähnt haben, als er die ersten Bälle mit dem Italiener schlug. Cecchinato ist kein Unbekannter für den Serben, vor einiger Zeit hatte er den Italiener für eine paar Trainingseinheiten "gebucht".

Ungleicher hätten die Karrieren der beiden Tennisprofis bis zu diesem Wiedersehen in Roland Garros aber nicht verlaufen können, wie man auch am bis zu diesem Zeitpunkt gewonnenen Preisgeld ablesen kann: Djokovic hat mehr als 110 Millionen Dollar gewonnen, Cecchinato vor den French Open "nur" 850.000 Euro. Alleine für das Erreichen des Halbfinals in Paris kommen jetzt aber nochmal 560.000 Euro dazu.


Marco Cecchinato: Tennis-Märchen mit dunklem Kapitel 


Dass Marco Cecchinato - vor Paris Nr. 72 der ATP-Weltrangliste, jetzt unter den Top 30 - überhaupt so weit bei den French Open kam, ist natürlich eine sportliche Überraschung. Immerhin hatte der aus Palermo stammende Tennisprofi bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Match bei einem Grand Slam-Turnier gewinnen können. Sein Erreichen des Halbfinals ist also eine Sensation, die aber erst durch eine Art Verfahrensfehler möglich wurde, der der Tennis Integration Unit (UIT) unterlaufen ist. Diese Behörde soll Betrug und Manipulation im Tennis bekämpfen und somit den weißen Sport sauberer machen. Ob dies der UIT aber im Fall Cecchinato so wirklich gelungen ist, kann zumindest bezweifelt werden.



Nur ein Verfahrensfehler bewahrt Cecchinato vor einer 18-monatigen Sperre

Cecchinato hatte 2015 offensichtlich Matches verschoben und war an Wetten auf diese Partien beteiligt. Der italienische Tennis-Verband sperrte ihn 2016 daraufhin für 18 Monate - und verhängte zunächst eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro. Aber ein Fristversäumnis legte das nationale olympische Komitee derart aus, dass die Sanktion nicht durchgeführt wurde. Ansonsten hätte Cecchinato bis Januar 2018 nicht an Turnieren teilnehmen dürfen - und mit dieser fehlenden Praxis wohl kaum sein Paris-Märchen geschafft. 



New York Times: Dubiose WhatsApp-Nachrichten von Cecchinato

In Paris auf die damaligen Geschichten angesprochen, will Marco Cecchinato nicht antworten. Verständlich, denn ganze Angelegenheit war sehr mysteriös: Ein Hauptvorwurf gegen den Italiener bezieht sich auf ein Challenger-Match 2015 in Mohammedia. Wie die Zeitung New York Times recherchierte, hat Cecchinato per WhatsApp an seinen Profikollegen Ricardo Accardi damals erzählt, dass er viel Geld bei Fußball-Wetten verloren habe, bzw. beim Spiel der Serie-A Carpi gegen Napoli (0:0) 1770 Euro verdienen können. Als Sohn eines relativ vermögenden Krankenhaus-Direktors hatte Marco Cecchinato sich in seiner Jugend bereits an ein relatives ansprechenden Leben gewöhnt ...


 

Mit manipulierten Matches verlorene Fußball-Wetten ausgeglichen?

Weiter schrieb er von seiner Idee, wie er das Geld wieder einstreichen könne: Bei dem Challenger in Marokko hoffte er auf eine gute Auslosung. "Gute Auslosung" bedeutet  für Cecchinato in diesem Fall auf einen wesentlich schlechter platzierten Spieler zu treffen, gegen den er regulär gar "nicht verlieren kann". Und so kam es auch: Zugelost wurde Cecchinato ein polnischer Spieler, der nur mit einer Wildcard ins Feld kam. Dass Cecchinato der klare Favorit war, sahen auch verschieden Wettanbieter: Die Quote für eine Niederlage von Marco Cecchinato betrug 4:1, bei einer glatten Niederlage in zwei Sätzen sogar 7:1. 


 

  • Gelöschte WhatsApp von Cecchinato an Accardi: "Ich fühle mich heute nicht gut. Und würde nicht auf mich wetten." Kurze Zeit später setzten Accardi und dessen Vater hohe Beträge auf die eigentlich unwahrscheinliche Niederlage Cecchinatos ...

 

Zwei italienische Profis als Hauptdarsteller in einer schmutzigen Tennis-Story

Normalerweise werden bei solch Challenger-Matches maximal 50 bis 100 Euro gesetzt. Ein Wetter platzierte aber 800 Euro auf eine glatte Niederlage des Italieners in zwei Sätzen. Und dieser sollte sich über einen satten Gewinn freuen: Cecchinato verlor als haushoher Favorit in 66 Minuten mit 1:6 und 4:6. Mehr als pikant und von den Ermittlern aufgedeckt: Bei dem Wetter handelte es sich um Ricardo Accardi, dem alten Kumpel von Cecchinato. Auch bei einem Challenger-Doppel in Prostejov soll Cecchinato manipuliert haben.   


Tennis WimbledonVor dem Center Court in Wimbledon war in den letzten Jahren immer ein Platz für den Fahrer von Djokovic reserviert. Vielleicht muss dieser Platz an jemand anderes vergeben werden?


Und wie geht es jetzt mit Novak Djokovic weiter? 

Fast schon sarkastisch, dass sich im Viertelfinale von Paris zwei ganz unterschiedliche Geschichten von Tennisspielern gegenüber standen. Und dass dieses Match vielleicht das Ende der langen und erfolgreichen Djokovic-Erfolgsgeschichte eingeläutet haben könnte … Noch weiß aber auch Novak Djokovic selber nicht, ob er noch einmal in Wimbledon oder anderswo zurückkommt. 


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